| Wie sind Sie dazu gekommen Hörbücher zu sprechen? | |
| Als ich noch am Gorki Theater in Berlin war, entdeckte ich am schwarzen Brett einen Aushang, dass Sprecher gesucht wurden für „Der Glöckner von Notre Dame“. Ich habe dann vorgesprochen und wurde für die Rolle des Priesters besetzt. Aufgrund dieser Arbeit bekam ich das Angebot, den Wallander zu sprechen. | |
| Es ist schwer an eine Rolle als Sprecher zu kommen, haben Sie vielleicht einige "Tipps"? | |
| Am besten ist es, eine Demo-Kassette herzustellen und bei den Sendern oder Produktionsfirmen vorstellig zu werden. Und mit etwas Glück bekommt man ein Angebot. | |
| Können Sie sich vorstellen, dass man eines der Stücke an denen Sie im Schauspielhaus mitwirken in irgendeiner Form als Hörbuch raus bringt? | |
| Ja, zum Beispiel „Draußen vor der Tür“, das ursprünglich als Hörspiel konzipiert war. | |
| Was halten Sie von dem derzeitigen Rummel um die Autobiographien von Bohlen und Co.? | |
| Solange eine Nachfrage besteht, werden wir uns damit auseinandersetzen müssen. | |
| Wir habe gehört, Sie werden keine Mankell Bücher mehr sprechen, stimmt das wenn ja warum? | |
| Aus dem einfachen Grunde, dass es keine weiteren Bearbeitungen der Romane mehr gibt. | |
| Wollen Sie in Zukunft an weiteren Hörbuch Produktionen Teilnehmen? | |
| Ja. | |
| Welches Buch würden Sie am liebsten als Hörbuch umsetzen /umgesetzt sehen? | |
| Ich habe dem Hörbuchverlag die Bearbeitung von Martin Walsers Roman „Seelenarbeit“ angeboten, aber bisher noch keine Rückmeldung bekommen. | |
| Halten Sie das Sprechen von Hörbüchern grundsätzlich für einfacher oder schwerer als Theater spielen, weil man z.B. keine Gesten "gebrauchen" muss/kann? | |
| Grundsätzlich kann man das nicht so beantworten, es hängt vom jeweiligen Material des Theaterstücks oder des Hörbuches ab. Beim Sprechen am Mikrofon verwenden wir auch Gesten, um den Text zu unterstützen, naturgemäß sieht man sie natürlich nicht. | |
| Wird das Sprechen für Sie immer eine Nebentätigkeit neben der Schauspielerei bleiben? | |
| Nebentätigkeit ist nicht der richtige Begriff, es ist ein Teil der schauspielerischen Arbeit. | |
| Wie sieht eine Ausbildung in "Sprecherziehung" aus? Was lernt man da? | |
| Sprechen. | |
| Was für Hörbücher hören Sie selber gerne? | |
| Wenn die Sprecher es verstehen, mich in eine Geschichte hineinzuziehen, bin ich gerne bereit, mir das unterschiedlichste anzuhören. | |
| Sind Sie der Meinung, dass Hörspiele eher etwas für Kinder und nicht für Erwachsene sind? | |
| Durchaus nicht. Wer lässt sich nicht gerne Geschichten erzählen. | |
| Reizt es Sie beim Theater ganz verschiedene Rollen zu spielen, oder verkörpern Sie lieber immer ähnliche Charaktere? | |
| Theaterspielen ist Verwandlung und für mich der Reiz der Arbeit. | |
| Wie oft müssen Sie sich den Text für ein Hörbuch durchlesen, bevor Sie es aufnehmen? | |
| Selten habe ich es erlebt, dass der erste Take der richtige war, oft werden Passagen mehrere Male wiederholt, da die Vorstellung des Regisseurs und des Sprechers sehr unterschiedlich sein können. | |
| Fehlt Ihnen bei einer Hörbuchproduktion der direkte Kontakt zum "Publikum", der im Theater gegeben ist? | |
| Es bleibt immer ein Geheimnis, wer und bei welchen Gelegenheiten sich die Hörbücher anhört, aber darüber mache ich mir während der Arbeit keine Gedanken. Dem „Rachen des Wolfes“, wie die Italiener das Publikum bezeichnen, entkommt man beim Theaterspielen nicht, beim Hörbuchsprechen vermisse ich das Publikum nicht unbedingt.
Vielen Dank an Heinz Kloss für das Interview zurück |
